Können Metadaten Bücher verkaufen?

Auf einer Buchhandels-Tagung in Hamburg wurde kürzlich wieder über die Bedeutung von Metadaten für den Online-Buchhandel diskutiert: Ob eine Branchenlösung sinnvoll ist und ob bzw. wie eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den Barsortimenten und dem VLB aussehen, könnte war das Thema. Und einmal mehr wurde – wie einem Bericht des Börsenblatt zu entnehmen ist – die Datenqualität thematisiert.

Die Postings zu diesem Artikel sind, vorsichtig formuliert, nicht von großem Optimismus geprägt. PosterIn Optimus weist daraufhin, dass es nicht nur um die eindimensionale Datenqualität geht, sondern, dass es – mit Verweis auf Amazon – um die Mehrdimensionalität gehe, also wie man in weiterer Folge die Daten verarbeitet. Da hat Optimus sicher recht. Aus meiner Sicht ist die MVB aber ein Anbieter von Basisdaten, insofern führt der Vergleich mit Amazon hier in die irre. So, wie Amazon sein Online-Geschäft betreibt, wird man diesem Konkurrenten mit Daten-Alchemie alleine nicht beikommen. 

Eine Top-Datenqualität wird das mit Sicherheit auch nicht bewerkstelligen, aber es wäre eine solide Basis für ein erfolgreiches Angebot. Ich möchte daher den Spot auf dieses Thema richten, für das zuvorderst die Verlage verantwortlich sind. Wenn man sich genauer ansieht, wie die Metadaten geliefert werden, dann erschließt sich hier sehr schnell das Verbesserungspotenzial. Hier kann man in Pflicht und Kür unterscheiden (wie folgt beispielhaft und unvollständig):

Pflicht: sind die rudimentären bibliografischen Daten gepflegt? Gibt es ein Cover (einfache Regel: wir zeigen keine Produkte an wenn das Cover fehlt)? Stimmen Preise, Seiten, Abbildungen? Sind die Zielgruppen gepflegt. Gibt es eine Produktbeschreibung? Ist die Warengruppe richtig zugeordnet?

Kür: gibt es eine ausführliche Produktbeschreibung, Inhaltsverzeichnis, Zusatzmaterialien (PDF, Ton- oder Videosequenzen, etc.)? Wird über die Schlagworte ein Bezug hergestellt, der sich aus dem Titel nicht erschließt? Werden bei den Kinder- und Jugendbüchern die Altersstufen korrekt angegeben?

Metadaten Check

Wir betreiben einen Shop spezialisiert auf Kinder- und Jugendbücher: kinder-book.de  Um die Datenqualität zu prüfen, habe ich in unserer Datenbank eine Stichprobe gezogen:
47.147 Bücher und andere Medien (ohne E-Book) aus der Warengruppe Kinder und Jugendbuch (HWG: 2). Die Bücher waren zum Zeitpunkt der Stichprobe entweder lieferbar oder hatten ein kurzfristiges Lieferhindernis.

Die Pflicht

  • Preis: keine Beanstandung.
  • Altersangabe: fehlte bei 5 Prozent.
    Aber aus welchem Grund wird von Verlagen eine DVD, die mit FSK „ab 0″ klassifiziert ist, mit der Altersempfehlung „ab 0 Jahren“ eingepflegt; obwohl im Medienformat Buch das gleiche Produkt erst ab 8 Jahren empfohlen wird?
  • Seitenzahlen: fehlte bei 10 Prozent.
  • Anzahl der Abbildungen: fehlte zu 90 Prozent.
  • Sprache: „Deutsch“ wird nur in Ausnahmefällen hinterlegt. Alle anderen Fremdsprachen werden zum überwiegenden Anteil gepflegt.

Die Kür

Als Spezialanbieter machen wir gerne Sonderaktionen. Derzeit sind natürlich die Themen „Frühling“ und „Ostern“ wichtig: 42 Bücher waren mit „Frühling“ bzw. „Natur“ beschlagwortet, immerhin 300 mit „Ostern“.
Ein kurioses Beispiel dazu: Es gibt Verlage, die beschlagworten Bilderbücher ausschließlich mit dem Begriff „Bilderbuch“: insgesamt 1.828 Bilderbücher haben ausschließlich dieses Schlagwort, ohne irgend eine zusätzliche Ergänzung. Nebenbei bemerkt „Bilderbuch“ ist eine eigene Warengruppe, von daher ist das redundant.

Kinderbücher über „Selbstvertrauen“ das wäre doch ein Thema, oder? Offensichtlich nicht: 15 mal wurde dieses Schlagwort vergeben. Ich bin mir sicher, es gibt eine Vielzahl von Büchern zu diesem Thema.

Ein Kollege hat mich neulich gefragt, er hätte gerne für seine kleine Tochter „irgendwas zum Thema Feinmotorik“: Sicher, hier kann man sich meist über den Titel und einen Screen über die Produktbeschreibung sehr gut helfen. Aber trotzdem: warum wurde bei diesem wichtigen Thema nur zweimal das passende Schlagwort vergeben?

Zum Thema Longseller noch ein Hinweis: Wäre es für Kinder- und Jugendbuchverlage nicht lohnenswert die „Klassiker“ aus ihrem Programm entsprechend zu beschlagworten?

Conclusio Metadaten

Metadaten alleine verkaufen noch keine Bücher, dafür gibt es eine Fülle von Erfolgfaktoren, nicht zuletzt auch wie diese Daten weiterverarbeitet werden. Wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang: SEO / Suchmaschinenoptimierung.
Unabhängig davon wäre es wünschenswert, wenn die Verlage dem Bereich Datenmanagement und -qualität mehr Aufmerksamkeit widmen würden. Ich weiß, das ist nicht so sexy wie Facebook, aber folgende Prognose dazu: Verlage, die dieses Thema vernachlässigen, werden in Zukunft weniger Erfolg haben; insbesondere dann, wenn die unmittelbaren Mitbewerber das besser machen.

Fachbuchhändler werden unabhängig von der Qualität der Basisdaten, diese Daten weiter bearbeiten und ergänzen müssen, wenn sie mit Fokus auf ihr Fachgebiet die richtigen Kunden und die Kunden richtig erreichen wollen.

Nachtrag

Wir haben für unseren Kunden freytag & berndt einen neuen Online-Auftritt entwickelt, Go-live war im Oktober 2014. Auch bei diesem Auftrag hat sich sehr deutlich gezeigt, dass die vorhandenen Meta-Daten, die in diesem Fall von VLB und KNV stammen, nur die Basis sein können. Um der gegebenen Spezialisierung von freytag & berndt und auch den Wünschen und Erwartungen der Endkunden Rechnung zu tragen war es notwendig, die vorhandenen Metadaten weiter zu bearbeiten. In dem Fall war es insbesondere der geografische Bezug sehr wichtig. Es musste eine entsprechende Klassifizierung geschaffen werden. Mehr dazu lesen Sie hier.